Was es wirklich heißt, ein Austauschjahr zu machen

Immer wieder treffe ich Menschen, die sagen, sie könnten nie ein Austauschjahr machen und dass sie doch nie ihre Familie im Stich lassen könnten. Aber tut man denn das? Man beschließt, ganz egoistisch, ein ganzes Jahr in einem anderen Land, ohne Familie und Freunde, zu verbringen, bei einer Gastfamilie, die man nicht kennt, zu leben, eine Schule zu besuchen, die ganz anders ist, als die von zu Hause und eine Sprache zu sprechen, mit der man nicht vertraut ist. Ehrlich gesagt, mit der eigenen Komfortzone kommt man da nicht weit. Man muss da raus, mutig sein und über seinen eigenen Schatten springen.

Es ist nicht immer einfach, das kann ich euch sagen. Es gibt Tage, da fühlt man sich einfach nicht gut und man möchte am liebsten nur nach Hause und seine Familie und Familie sehen und in dem gewohnten Umfeld sein.
Für mich war die erste Nacht am schlimmsten. Ich wachte um 4 in der Früh auf und konnte nicht mehr schlafen. Ich fragte mich nur, was ich hier denn solle? Ich kenne niemanden, meine Familie ist am anderen Ende der Welt, die Sprache ist anders und das Essen, die Menschen, die Kultur und das Leben auch. Ich wusste nicht so recht, was ich hier anfangen soll, obwohl ich mich doch so auf Neuseeland gefreut habe. Weinend habe ich meiner Mom und meinen Freunden von zu Hause geschrieben, dass ich zurück will und dass ein Austauschjahr nichts für mich ist. Allerdings bekam ich ein paar aufmunternde Nachrichten zurück, die meinten, ich sollte doch ein bisschen länger als eine Nacht durchhalten und dann sehe man weiter. Es dauerte ein paar Tage, bis ich mich an den Akzent gewöhnt habe (der übrigens sehr anders compared zu dem Britischem ist). Als ich diese Hürde dann überwunden habe, kam auch schon die Nächste: die Schule. Ich kannte niemanden außer Ana (worüber ich sehr dankbar bin). Die Schule ist im Vergleich zu meiner in Österreich riesig und dann gibt es auch noch die 4-fache Anzahl an Schüler. Natürlich verlief ich mich nach jedem Fach für die ersten 2 Wochen – Was dachtest du denn? Allerdings kann ich euch sagen, dass es besser wurde. Ich weiß bis heute noch nicht, wo alle Räume, außer die, in denen ich Unterricht habe, sind und ich kann euch garantieren, dass, wenn ich im Februar zurück in der Schule bin, ich auf jeden Fall mich wieder verlaufen werde, da ich dann andere Fächer habe, was bedeutet, dass ich in anderen Räumen bin. Eine Angst, der ich mich dann auch noch stellen muss, ist, dass alle meine Freunde dann nicht mehr hier sind. Ich bin im Jahr 12 und ich bin hauptsächlich mit Leuten aus dem Jahr 13 und Austauschschülern befreundet, die mich alle im Dezember oder Jänner verlassen werden.
Anyways, ich kann euch sagen, dass ich auch diese Hürde schaffen werde und genauso könnt ihr das. Ein Austauschjahr bietet so viel mehr. Es gibt Höhen und Tiefen, schöne und schwere Zeiten, aber ich kann euch eines garantieren: ihr werdet jeden Tag ein Stück reifer und erwachsener, unabhängiger und weiser, und nicht zu vergessen weltoffener. In diesem Jahr lernt und erlebt man so viel und genau das unterscheidet einem von „normalen“ Menschen.

Ein Austauschjahr ist nicht für jeden was, ganz bestimmt, aber wer es nicht versucht, kann auch nicht darüber urteilen. Natürlich ist es egoistisch, alles und jeden hinter sich zu lassen, aber wenn ihr nach diesem Jahr zurück kommt, sind eure Freunde und Familie immer noch da und sie werden euch sehnsüchtig empfangen.

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